3_franzliszt-klavierwettbewerb | Kulturfreunde Bayreuth
Seit 70 Jahren sind wir ein engagierter Mitgestalter von Konzerten in Bayreuth, um Musik als Erlebnis für jede Generation neu und offen erfahrbar werden zu lassen. Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Duo- und Solo-Abende sowie Kinderkonzerte organisieren wir mit international bekannten Künstlerinnen und Künstlern auf höchstem Niveau.
Klassik, Musik, klassische Musik, Konzerte, Events, Bayreuth, Kultur, Kunst, Klavier, Streicher, Violine
18824
page-template,page-template-full_width,page-template-full_width-php,page,page-id-18824,bridge-core-3.0.1,qode-page-transition-enabled,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode-theme-ver-28.5,qode-theme-bridge,disabled_footer_bottom,wpb-js-composer js-comp-ver-6.7.0,vc_responsive

07.11.2021 · 17.00 Uhr | DAS ZENTRUM

 

10. Internationaler FRANZ LISZT
Klavierwettbewerb Weimar – Bayreuth

 

Preisträgerkonzert

 

In Kooperation mit Steingraeber & Söhne und der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

.

Aktuelle Informationen zum Preisträgerkonzert auf der Homepage der → Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

Konzertkritik von Gordian Beck:

 

Virtuoser Tastenzauber
Konzert der Kulturfreunde: Die Preisträger des diesjährigen Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerbs Weimar-Bayreuth auf Stippvisite im Europasaal

 

Ein Preisträgerkonzert ist ein merkwürdig’ Ding. Eigentlich sollte man meinen, der Wettbewerb sei Geschichte und das ihn nunmehr beschließende Konzert daher eine lockere Ehrenrunde für die dekorierten Künstler. Doch dem ist, und das machte dieser Sonntagabend im bestens besuchten Europasaal des Zentrum wieder einmal deutlich, augenscheinlich nicht so. Denn allen drei Preisträgern des diesjährigen Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerbs Weimar-Bayreuth stand die Anspannung zwar nicht unbedingt ins Gesicht geschrieben, hörbar war sie jedoch. Also von wegen Schaulaufen! – Zumal auch noch kurzerhand improvisiert werden musste, wie Gerlinde Otto, Professorin an der Weimar Musikhochschule und Juryvorsitzende des diesjährigen Wettbewerbs zu Beginn des Konzerts in einem knapp gehaltenen Statement verkündete. Valentin Magyar – ihm hatte die Jury einen dritten Preis zugesprochen – hatte die Information eines späteren Konzertbeginns. Kein Beinbruch, das Programm wurde ad hoc umgestellt, es begann daher der Preisträger des zweiten Preises, der junge Japaner Shota Kaya. Äußerlich gelassen, ja geradezu stoisch, so nahm er am Steingraeber-Konzertflügel Platz, offenbarte aber schon mit den ersten Tönen der Etüde op.111, Nr. 4 „Les cloches de La Palmas“ von Camille Saint-Saëns eine gewisse Nervosität. Eine Nervosität, die er auch in Franz Liszts rasant dargebotener achter Etüde aus den berühmten Études d’exécution transcendante, der so genannten „Wilden Jagd“ nicht ganz ablegen konnte. Erst in Liszts „Réminiscences de Norma“, einer gleichermaßen genial wie virtuos angelegten rund 15 Minuten dauernden Zusammenfassung Vincenco Bellinis gleichnamiger Oper, konnte er sich freispielen. Und da war sie dann auch uneingeschränkt zu bewundern, diese seine Fähigkeit, allen technischen Schwierigkeiten zum Trotz, musikalische Strukturen offenzulegen und die Musik im Moment zu leben. Eine außergewöhnliche Interpretation, die auch so beim Publikum ankam. Tosender Beifall begleitete ihn von der Bühne, die sodann Rune Leicht Lund betrat. 18 Jahre alt und in diesem Wettbewerb gleich mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit einem dritten Preis.
Doch auch bei ihm machte sich die Nervosität, der Druck, der auf ihm lastete, sogleich bemerkbar. Liszts Étude d’exécution transcendante Nr.5, Feux follet musste er, gut kaschiert, zweimal ansetzen, konnte jedoch dann den aberwitzigen Tanz der Irrlichter gut in Szene setzen. Die Lockerheit, die Leichtfüßigkeit, ja, die Eleganz, die sein Spiel auszeichnet, war allerdings erst in Liszts „Vallée d’Obermann“ auszumachen, jener grandiosen musikalischen Umschreibung der Schweizer Berge und ihrer Täler. Und so hatte man auch bei ihm erst bei der dritten Darbietung, nämlich Camille Saint-Saëns’ ebenso wunder-, wie schwungvollen Etude Op. 111, Nr. 6, den Eindruck, nun sei er endgültig in seiner Musik angekommen.
Auch Valentin Magyar war der Druck, einem Preis gerecht zu werden, anzumerken, jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt, wie bei seinen Mitstreitern. Vielleicht kam ihm auch sein Programm zu Hilfe, denn anders als Shota Kaya und Rune Leicht Lund begann er mit einem Werk, das zumindest die ersten Minuten von einer ruhigen und eher in sich gekehrten Stimmung getragen wird: Liszts „Sposalizio“ aus den Annees de Pelerinage II. Ein Werk, das sich daher, was die Virtuosität anbelangt, eher die Zügel anlegt. Dafür hatte Magyar dann mit Liszts so genannter „Dante Sonate“ ein echtes Schwergewicht im Gepäck. Sein Umgang damit: ausgesprochen souverän, die Farben ausleuchtend, den Pathos dieses Stückes nicht versteckend, die ausgestellte Virtuosität bei den Hörnern packend. Das Auditorium dankte es ihm und seinen Kollegen mit langanhaltendem, begeisterndem Applaus.